Der Geraer Christian Magiera und seine Reise ins Gefängnis.

OTZ Gera / Andreas Rabel

16. Jul 2021

UCI-Kommissär Christian Magiera freut sich auf seinen ersten olympischen Einsatz.   (Foto: Andres Rabel)
UCI-Kommissär Christian Magiera freut sich auf seinen ersten olympischen Einsatz. (Foto: Andres Rabel)



Der Geraer Christian Magiera reist als UCI-Kommissär nach Tokio und muss mit drastischen Einschränkungen leben.

UCI-Kommissär Christian Magiera fliegt am 29. Juli nach Tokio. Der Geraer ist vom Radsport-Weltverband als Starter bei den Bahnrad-Wettkämpfen nominiert worden und fungiert bei den Paralympics als Chef der Jury.

Als dieser Tage bekannt gemacht wurde, die Olympischen Spiele in Tokio finden statt, aber ohne Zuschauer. Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Die Olympischen Spiele finden statt, das ist die positive Nachricht. Müsste ich abwägen: Absage oder Olympia ohne Zuschauer. Dann Olympia. Ich bin heiß drauf, freue mich auf meinen ersten olympischen Einsatz als Kommissär. Und ich glaube die Sportler sehen das auch so. Eine nochmalige Verschiebung der Spiele wäre eine Katastrophe, von vielen nicht zu stemmen gewesen. Die Vorbereitung auf Tokio dauert nun schon fünf Jahre.

Wie schaut Ihre Vorbereitung aus?

Nicht anders als im vergangenen Jahr. Wir haben an drei Tagen Videokonferenzen abgehalten – die Jurymitglieder freuen sich, dass es bald los geht.

Doch es wird Einschränkungen geben, oder?

Ich habe scherzhaft gesagt. Ich unternehme eine Reise ins Gefängnis. Wir haben 60 Seiten zu lesen bekommen, da steht drin, was wir dürfen und was nicht.

Was dürfen Sie? Ich nehme an, nicht viel.

Ich werden in Tokio den Flughafen sehen, den Bus, das Hotel und die Radrennbahn – und das war’s. Ich sehe das aber auch gelassen, auch wenn ich für meinen Einsatz in Japan Urlaub nehmen muss, ich bin ja nicht im Urlaub, sondern als Kommissär im Einsatz.

Der Kommissär hat es schwer…

(Lacht!) Wenn dann Jammern auf hohem Niveau. Ich warte jeden Tag auf Post, der Activity-Plan soll kommen.

Activity-Plan. Ein schöner Euphemismus.

Das heißt nun mal so. Ich hoffe, dass uns wenigstens erlaubt wird, dass wir als Jury auf der Bahn zusammen essen können, oder dass das auch im Hotel möglich sein wird. Bisher ist die Ansage, alles im Hotel, und dort nur auf dem Zimmer – also ständig pendeln zwischen Radrennbahn und Hotel.

Die Japaner sind ja digital. Haben Sie für Tokio und die Jury was Besonderes in petto?

Wir mussten uns zwei Apps runterladen. Eine Corona-Warn-App und eine für den Gesundheitscheck, der täglich ansteht. Verpflichtend ist die Mitnahme eines Thermometers. Ja, und auch für die Jury gibt es etwas Neues – eine elektronische Pfeife.

Pusten ist nicht?

Genau. Als es noch Zuschauer zugelassen waren, hätten die nicht schreien oder rufen sollen, nur klatschen war erlaubt. Nun also ganz ohne Zuschauer.

Verändert das die Arbeit der Jury?

Es wird steril werden, es fehlt die Wettkampf-Atmosphäre. Wir werden hören, was die Trainer und Betreuer rufen. Uns fehlt das Feedback von den Rängen. Geht ein Raunen, zum Beispiel von der Gegengeraden aus, dann kann da was passiert sein, und wir schauen noch mal genau hin.

Allerdings kann sich auch kein Zuschauer über eine Jury-Entscheidung beschweren. Ist ja keiner da.

Das stimmt. Als ich bei der Bahn-Weltmeisterschaft in Paris im Scratch eine französische Starterin distanzieren musste, da wusste ich nicht, ob ich heil aus dem Velodrom komme...

In Tokio wird es die ersten Olympiasieger im Madison geben.

Madison wertet die Bahnwettkämpfe weiter auf. Die Rennen der Zweiermannschaften sind rasant, es passiert ständig was auf der Bahn, es ist Bewegung im Feld.

Wenn Sie schon nichts von Tokio sehen. Freuen Sie sich auf Sushi?

Ich nehme es wie es kommt. Ich bin nicht der Sushi-Freund. Mehr Sorge macht mir das Wetter, heiß und schwül. Und es wurde uns angeraten, eine Regenjacke mitzunehmen.

Die Olympiaeinkleidung haben Sie aber schon?

Die gibt´s vor Ort. Mal schauen, wie mir die asiatischen Größen passen. (OTZ/A.Rabel)


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