Erster Titel nach 2017: Geraer Bahnradsportler gewinnen Deutsche Meisterschaft.

OTZ Gera / Andreas Rabel

13. Jul 2021

Geglückte Generalprobe: Enzo Albersdörfer und Hugo Esch gewinnen die U15-Bundessichtung in Gera und am Wochenende auch den Deutschen Meistertitel im Madison.   (Foto: Sascha Fromm)
Geglückte Generalprobe: Enzo Albersdörfer und Hugo Esch gewinnen die U15-Bundessichtung in Gera und am Wochenende auch den Deutschen Meistertitel im Madison. (Foto: Sascha Fromm)



Die Zweiermannschaft Enzo Albersdörfer und Hugo Esch holt nach 2017 wieder einen deutschen U15-Titel nach Gera. Beim Omnium wurde es „nur“ Silber.

Endlich kann der Sekt kaltgestellt werden. Als der Geraer Finn Nixdorf 2017 in Genthin Deutscher U15-Meister im Mannschaftszeitfahren wurde, schenkte er seiner Trainerin Heike Schramm eine Flasche Sekt. Nixdorf ist nicht mehr aktiv, doch die Flasche Sekt, pinkfarben und Magnum, die steht seither im Büro auf der Radrennbahn. „Ich hab‘ schon immer drauf geschaut und mich an den Erfolg von Genthin erinnert und mir gesagt: Die Flasche wird erst geköpft, wenn wir wieder einen Deutschen Meistertitel zu feiern haben“, sagt Heike Schramm. Jetzt ist es soweit.

Bei den Deutschen Bahnrad-Meisterschaften in Köln holte sich der Geraer Enzo Albersdörfer gemeinsam mit dem Waltershausener Hugo Esch den U15-Meistertitel im Madison. Benjamin Bock (SSV Gera) und Bruno Geißler (SV Jena-Zwätzen) komplettierten mit Silber den Thüringer Doppelsieg in der Zweier-Mannschaft.

Doch bis Albersdörfer/Esch nach 48 Runden und sechs Wertungssprints auf der Albert-Richter-Bahn in Köln-Müngersdorf zum Titel gerast waren, gab es für Trainerin Heike Schramm reichlich Redebedarf, kochten die Emotionen hoch. Im Qualifikationslauf lief noch nicht alles rund. Im Finallauf stürzte Albersdörfer nach einem Wechsel, weil ein anderer Fahrer die Bahn nach oben fuhr und ins Hinterrad des Geraers einfädelte. Das Team blieb im Rennen, weil Esch auf Rundenjagd ging, doch auch der Zweite der diesjährigen Straßenmeisterschaften kam zu Fall. Nicht selbst verschuldet, wie Albersdörfer auch, doch die Jury setzte die Zweiermannschaft eine Runde zurück. Die Trainerin machte sich zur Jury auf, schließlich hat jeder in einen Sturz verwickelte Fahrer fünf Runden Zeit, um wieder ins Rennen einzusteigen. Albersdörfer und Esch saßen rechtzeitig wieder im Sattel. Die Jury korrigierte ihren Fehler und die beiden Renner jagten zum Titel.

„Es lief aber längst nicht alles rund. Aber der Titel entlohnt für ein stressiges Wochenende“, sagt Heike Schramm, die aber noch immer baff ist, dass Enzo Albersdörfer am Sonnabend nicht schon für Sektlaune gesorgt hatte.

Gold aus der Hand gegeben

Das Geraer Radtalent hatte sich beim Omnium in den Zeitfahrdisziplinen 100 Meter fliegend, 500 Meter Zeitfahren und 2000 Meter Einerverfolgung einen Zehn-Punkte-Vorsprung erkämpft. Abschließend stand das Ausscheidungsfahren auf dem Programm, zehn Punkte Vorsprung bedeuteten ein Plus von fünf Plätzen. Doch der 14-Jährige gab Gold noch aus der Hand, wurde Neunter und „nur“ Zweiter im Radsport-Mehrkampf.

Erst gab es eine Standpauke, erst nach und nach kam ein wenig Freude über die Silbermedaille auf. Auch Albersdörfers Teamkameraden Benjamin Bock (Gesamtfünfter), Bruno Kerndt (14.) und Max Jerzyna (19.) fuhren in den Zeitfahrdisziplinen allesamt persönliche Bestleistungen. „Das zeigt, dass wir vieles richtig gemacht haben, dass die Sportler beim Saisonhöhepunkt ihre besten Leistungen bringen“, sagt Heike Schramm. Dass Bruno Geißler am Sonnabend nicht die Qualifikation für den eigentlichen Wettkampf schaffte, im Punktefahren nicht unter die besten 24 kam, das war schon ein Wermutstropfen.

Isabelle Gentzik und Gwen Böttcher verpassen Medaille knapp

Isabelle Gentzik und Gwen Böttcher (beide SSV Gera) schafften wie die Jungen persönliche Bestzeiten, wurden im Omnium Siebente sowie Neunte und schrammten im Madison als Vierte knapp an einer Medaille vorbei. „Die Beiden enttäuschten keineswegs, haben einen guten Wettkampf gemacht“, sagt Heike Schramm.

Und auch die beim SSV Gera ausgebildeten Sportler, die am Sportgymnasium in Erfurt trainieren, standen auf dem Siegerpodest. Allen voran Sprinterin Stella Müller, die gemeinsam mit Lara-Sophie Jäger und Tanita Knorr (beide Turbine Erfurt) deutsche U19-Meisterin im Teamsprint wurde. Stella Müller, die weiter für den SSV Gera fährt, wurde zudem Dritte über 500 Meter und im Sprint sowie Vierte im Keirin. Lara Röhricht kurbelte gemeinsam mit Franzi Arendt (Erfurt), Tasia Ballhaus (Sömmerda) und der Jenaerin Miriam Zeise zum U19-Gold in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung. Lara Röhricht wurde zudem Fünfte im Punktefahren und Siebente im Madison.

In der U17 verpassten die Geraer Ben Burkhardt, Louis Gentzik und Arthur Maul in der 3000-Meter-Mannschaftsverfolgung als Vierte eine Medaille. „Insgesamt war das eine erfolgreiche Meisterschaft. Die Bahn in Köln wird abgerissen und durch eine Halle ersetzt, also gehen diese Meisterschaften in die Annalen ein“, sagt Schramm. Bleibt nur noch zu klären, wann denn die Flasche Sekt geöffnet wird. (OTZ/A.Rabel)


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