Herr über Schloss Osterstein und stiller Sponsor.

OTZ Gera / Andreas Rabel

05. Feb 2020

Radsportfreunde: Olaf Ludwig und Peter Schmidt. (Foto: Andreas Rabel)
Radsportfreunde: Olaf Ludwig und Peter Schmidt. (Foto: Andreas Rabel)



Interview der Woche mit Peter Schmidt über seine Radidole wie Olaf Ludwig, Tour-Profi Rüdiger Selig und das Team Jenatec

Jena/Gera. Peter Schmidt (51) ist Geschäftsführer der Jenatec Industriemontagen GmbH, Maschinenbauer und Jurist, kam durch die Radsport-Größen Olaf Ludwig und Thomas Barth zum Radsport-Sponsoring und war mit dem Team Jenatec er­folg­reich. Tour-Profi Rüdiger Selig fuhr einst in dem U23-Team.

Da will ich mich mal straffen. Schließlich sitze ich einem Schloss­herrn gegenüber. Sollte ich da auch eine andere Anrede wählen?

(lacht) Ja, bitte. Sir oder Hoheit. Aber mal im Ernst. Schloss ist ja eine gewaltige Übertreibung. Es ist ein schöner Platz, der sich Schloss Osterstein nennt - von dem eigentlichen Schloss ist ja nicht mehr viel stehen geblieben. Es ist ein Herzensort vieler Geraer. Mit Gleichgesinnten wollen wir Schloss Osterstein wie­der­be­leben, weil es ein Platz ist, den die Geraer lieben.

Und es ist ein Platz für den Radsport.

Das bietet sich perfekt an. Schon 2019 hat Bernd Herrmann mit seiner Mannschaft die Apres-Tour Gera als Radsport am Schloss organisiert - und im Juli wird es wieder ein Bergrennen von der Untermhäuser Brücke hinauf zum Schloss und weiter nach Ern­see geben.

Sie sind in Gera Schlossherr, wohnen in der Stadt, unterstützen den Radsportverein. Warum heißt Ihre Firma dann nicht Geratec?

(lacht) Als wir angefangen haben, da haben wir Firmen im Westen mit Facharbeitern versorgt, und da kannte man Jena eben schon eher als Gera. Außerdem ist unser Firmensitz in Jena. Wir machen noch heute Personaldienstleistungen, haben inzwischen neun Standorte in ganz Deutschland. Wir stellen Unternehmen geeignetes Fachpersonal zur Verfügung und sind darüber hinaus kompetenter Partner in allen Fragen rund ums Personal.

Wenn ich richtig gezählt habe, unterstützen Sie nun schon zwölf Jahre den Radsport. Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen?

In jungen Jahren war ich in Gera Schwimmer, in der Jugend auch ganz gut. Wir haben damals fünf Mal die Woche trainiert. Ich bin ein reiner Genuss-Radfahrer, es sollte aber nicht länger als 30 Kilometer gehen und am besten immer geradeaus. Rad­sport ist für mich eine Herzensangelegenheit. Schon damals hat mich die Friedensfahrt fasziniert, hab’ die Rennen im Fern­se­hen verfolgt, und wenn es irgendwie ging, war ich live dabei. Und nach der Wende hab’ ich meine Idole kennengelernt, mehr durch Zufall. Die Radsport-Landschaft hatte sich verändert, und es kam die Idee auf: Du könntest doch was für den Rad­sport tun. Das habe ich gemacht, und es ging los mit einem Ein­zel­spon­so­ring für Martin Brand.

Bald rollte das Team Jenatec mit bekannten Namen in der Sport­li­chen Leitung.

Uwe Ampler und Thomas Barth waren Sportliche Leiter. Mit Olaf Ludwig gab es eine Kooperation im Jugendbereich. Wir waren ein Team für Fahrer aus der Region, unser Hauptbetätigungsfeld die U23-Bundesliga, in der wir sogar einmal den Gesamtplatz zwei in der Einzelwertung belegt haben. Als ich angefangen habe, dachte ich mir: Wenn einer deiner Fahrer mal bei der Tour de France startet, das wäre toll.

Es hat geklappt. Rüdiger Selig ist im Team Jenatec groß ge­wor­den.

Genau, einer aus dem Team Jenatec. Wir sind all die Jahre in Kontakt geblieben, und mit dem Team Bora-hansgrohe hat er ja sportlich eine erstklassige Adresse, er fährt die Sprints für Peter Sagan oder auch Pascal Ackermann an.

Pascal Ackermann gewann als junger Renner die Ostthüringen Tour.

Auch eine Erfolgsgeschichte, ein tolles Rennen.

Der Radnachwuchs liegt Ihnen besonders am Herzen?

Ja, wir haben mit dem Future-Team etwas auf die Beine gestellt, die besten Nachwuchsrenner vom SSV Gera bis in die U19 un­ter­stützt. Domenik Wolf, Lara Röhricht oder auch Lena Charlotte Reißner sind in unserem Future-Team gefahren. Eine Er­folgs­ge­schich­te.

Seit zwölf Jahren unterstützen Sie den Radsport in ver­schie­de­nen Projekten, halten sich aber als Sponsor dezent im Hin­ter­grund, sind eher ein stiller Sponsor.

Die Erfolge sprechen doch für sich, da muss ich nicht mit der Trompete draußen rumrennen. Unsere Farben sind erfolgreich unterwegs gewesen, die Sportler tragen unsere Trikots mit Stolz. Das Jenatec-Masters-Team fährt seit acht Jahren unter der Jenatec-Flagge und hat es sogar bis auf das Treppchen bei der Weltmeisterschaft geschafft. Mein Hauptaugenmerk liegt aber ganz klar auf der Unterstützung des Nachwuchses beim SSV Gera - ein toll geführter Verein, mit vielen engagierten Mit­strei­tern. (OTZ/Andreas Rabel)


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