Ein Herz für den Radsport hat aufgehört zu schlagen.
Wir nehmen Abschied von unserem Ehrenmitglied Reiner Späth.

10. Jan 2026

Für den SSV Gera heißt es Abschied nehmen von Ehrenmitglied Reiner Späth, dessen Radsportherz im Alter von 93 Jahren in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag für immer aufgehört hat zu schlagen.

„Mit Reiner Späth verlieren wir ein Urgestein des Radsports, nicht nur bei seinem langjährigen Heimatverein, bei der Geraer Radsportfamilie, in Thüringen und weit über die Grenzen hinaus. Wir nehmen Abschied von einem langjährigen Weggefährten“, so SSV-Präsident André Sander.

Er war nicht nur aktiv tätig, sondern auch ein Macher, wenn es darum ging den Radsport nach vorn zu bringen. Alljährlich wenn die Thüringen Rundfahrt der Frauen bis 2024 über den Asphalt rollte, da war er präsent und selbst als er gesundheitlich nicht mehr vor Ort sein konnte, war er dennoch immer mit dabei. Er war eben „Mister Frauenrundfahrt“ und wird es für den Radsport immer bleiben.

Reiner Späth war auch einer der Geburtshelfer der dreitägigen Ostthüringen Tour für den jüngsten Radsportnachwuchs, die Anfang Mai 2026 bereits zum 23. Mal zur Austragung kommen wird.

Schon in frühen Jahren tauschte der gelernte Schlosser den Schraubenschlüssel gegen Trillerpfeife und farbige Flaggen des Radsport-Kommissärs. Ganz fremd war ihm die Sportart nicht, denn seinen ersten Kontakt damit hatte er als Kunstradfahrer, wo er 1948/49 sogar Thüringenmeister wurde.

So richtig begann für ihn alles mit einer Radsportveranstaltung auf dem Geraer Marktplatz im Jahre 1947. Wenn heute so viel von der Radsportstadt Gera gesprochen wird, dann muss man automatisch diese Hommage mit Reiner Spät verbinden.

Bevor er sich dem Rennsport als Organisator widmete, ver­such­te er sich im Kunstradsport. Seine sportliche Heimat fand er in der BSG Einheit, kam dann über die SG Dynamo Gera-Mitte 1973 zur SG Wismut Gera und war Ehrenmitglied im SSV Gera.

Von der Pike auf erlernte er das Radsport-Funktionärs-ABC als Organisator, Kampf- und Schiedsrichter und brachte es bis zum nationalen UCI-Kommissär. Von Beginn an gehörte er dem Be­zirks­fach­aus­schuss Radsport in Gera an, war Grün­dungs­mit­glied des Deutschen Radsport-Verbandes der DDR und sechs Jahre Vizepräsident des DRSV. Bis zur Auflösung des Dach­ver­ban­des war er Vorsitzender der Kommission Wettkampfwesen. Er zählte zu den Mitbegründern des Thüringer Radsport-Ver­ban­des, übernahm die Funktion des Fachwartes Rennsport und war Ehrenmitglied des Landesverbandes.

Bei der Internationalen Friedensfahrt war er fünfund­zwan­zig­mal Jury-Mitglied, darunter zwölfmal auf dem Motorrad und sieben­mal Mitarbeiter im Etappen-Organisationsbüro. Wettkampf­höhe­punkte, an die er sich bis zuletzt gern erinnerte, sind die Junioren-Weltmeisterschaften auf dem Sachsenring 1960, die Sprintwettbewerbe "Großer Preis der DDR", die zahlreichen Kinder- und Jugendspartakiaden wie auch die Länderkämpfe gegen Ungarn und England. Doch einem sportlichen Ereignis gab er ein ganz besonderes Gepräge, der Internationale Thüringen Rundfahrt der Frauen. Er selbst sprach gern von "seiner Rundfahrt" und das mit Recht. Seinem Geschick und seiner weitsichtigen Teamführung war es vor allem zu danken, dass diese Rundfahrt einen festen Platz im UCI-Kalender gefunden hatte, leider im Jahr 2024 wahrscheinlich zum letzten Mal.

Bei der einstig stattgefundenen Internationalen Thüringen Rund­fahrt der Männer stand er dem Cheforganisator Gerhard Böttner als sportlicher Leiter zur Seite.

Reiner Späth war ein unentbehrlicher Partner, einfach ein Macher, der anpackte, wenn er gebraucht wurde, auf den man sich verlassen konnte und der selbst im hohen Alter immer einen Rat parat hatte. Seine Tatkraft und sein unverblümtes En­ga­ge­ment machten ihn zu einer prägenden Person.

In Gedanken sind wir bei seiner Tochter und deren Familie sowie den Anverwandten, Freunden und Wegbegleitern. (rs) « zurück
nach oben